Wahrscheinlichkeiten aus logistischer Regression berechnen

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Filosofem
Beiträge: 6
Registriert: 02.10.2013, 14:03

Wahrscheinlichkeiten aus logistischer Regression berechnen

Beitrag von Filosofem »

Hallo,

ich habe folgendes Problem:
Ich habe 5 Datensätze (zu den Bundestagswahlen 94,98,2002,2005 und 2009).

Für meine Diplomarbeit (Politikverdrossenheit und Wahlbeteiligung) konstruiere ich mir eine logistische Regression bestehend aus folgenden Variablen:

AV: Wahlbeteiligung (dichotom: gewählt / nicht gewählt)
UV:
- Aussage "Politiker interessieren sich nur für die Stimmen ihrer Wähler, ihre Ansichten interessieren Sie nicht" (dichotomisiert in "Zustimmung" und "Ablehnung")
- Demokratiezufriedenheit ((eher) zufrieden) / mittelmäßig zufrieden / (eher) unzufrieden))
- Einzelne Parteienbewertungen (jede Partei dichotomisiert: -5 Angabe: "verdrossen" ; Rest von -4 bis +5 "nicht verdrossen")

Zu den Wahlen von 94-2005 werde ich die abhängige Variable mit den unabhängigen Variablen vergleichen und eine Trendbetrachtung folgern. (Hier nur eine kurze Frage: Multiple Regression,oder?)
Für 2009 kommen noch folgende Kontrollvariablen hinzu:

unabhängige Kontrollvariablen:
- Politisches Interesse (stark / mittel / niedrig)
- Alter (5 Kategorien: 18-29 / 30-39 / 40-49 / 50-59 / 60+)
- Bildung (Haupt / Real / Abitur)
- Geschlecht
- Parteiidentifikation (dichotom: ja / nein)
- Aussage "Wählen ist Bürgerpflicht" (dichotomisiert in "Zustimmung" und "Ablehnung")

Jetzt habe ich folgende Frage:
Die Literatur sagt mir einerseits, dass ich aus den direkten SPSS-Outputs Wahrscheinlichkeiten in Form des Regressionskoeffizienten B und Exp(B) (Odds-Ratio) ablesen kann.
Andererseits sagt mir Schoen/ Zettl (2009): Alte Allianzen, neue Bündnisse oder alles im Fluss? in: Jesse / Sturm (Hg.) Bilanz der Bundestagswahl 2009. folgendes:
"Da logistische Regressionskoeffizienten nicht intuitiv interpretierbar sind, werden aus den Ergebnissen in Tabelle 1 zusätzlich Wahlwahrscheinlichkeiten berechnet und in Abbildung 1 dargestellt."

So, mir stellt sich jetzt die Frage: Wie läuft die Berechnung ab? Und woher kommt die Aussage? Kann ich nicht doch direkt aus der logistischen Regression eine Aussage treffen?

Für Hilfe im Voraus vielen Dank.
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Tünnes
Beiträge: 20
Registriert: 23.09.2013, 18:02

Beitrag von Tünnes »

Ich würde zunächst sagen: ja, multiple Regression - statt linear.

Nun zu der Interpretation: der REGRESSIONSkoeffizient gibt lediglich die Richung des Effekts an, es lassen sich also nur Tendenzaussagen treffen: Liegt er über null, so steigt mit jeweils nächsthöheher Ausprägung einer UV die Wahrscheinlichkeit, dass die AV den Wert 1 annimmt (also Wählen zu gehen statt es zu unterlassen). Ist er dagegen negativ sinkt die Eintrittswahrscheinlichkeit.

Was musst du nun tun, um Aussagen über die *Chancen* wählen zu gehen, treffen zu können? Dazu benötigst du den Effekt-Koeffizienten (Odds Ratio). Den erhältst du, indem du die eulersche Zahl e mit dem jeweiligen Regressionskoeffizienten potenzierst. Beträgt dieser bei Demokratiezufriedenheit bspw. 1,2 bedeutet das: Die Chancen, Wählen zu gehen, sind mit mittelmäßiger Demokratiezufriedenheit 1,2 mal höher als mit eher zufriedener Demokrz. Außerdem sind sie mit eher unzufriedener D. 1,2 mal höher als mit mittelmäßiger D. Aber Achtung: Wenn du das Verhältnis von unzufrieden zu eher zufrieden angeben willst nicht einfach addieren und behaupten die Chancen seien dann 2,4 mal höher. Hierfür gibt es eine Sonderregel, die ich jetzt leider nicht mehr im Kopf hab :-P Ist aber in Backhaus et al. sehr gut erklärt ;-)
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